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Arnes Durchblick #11 vom 20.5.2021: Wenn Sucht einen Menschen verwandelt

In meiner Schulzeit entgeisterte mich der Anfang von Franz Kafkas „Die Verwandlung“. Nach dem Kurzfilm „Samsa“ habe ich mir endlich das Original vorgeknüpft, gelesen von Sven Görtz.

Äußerst gewagt, ein vielschichtiges zweieinhalbstündiges Werk auf unter 30 Minuten zu kürzen. Volltreffer hingegen, Kafkas Erzählung auf Menschen in Drogenabhängigkeit zu übertragen. Erwacht man da, wie in einem plötzlichen Burnout-Zusammenbruch, in Entfremdung, nachdem man die Familie ehren wollte?

Leider entzaubert der plakative Hinweis, man zeige Menschen in Alltagssituationen. Das wirkt, als wären Kafka-Rezitationen aufhübschendes Beiwerk. Selbst ohne Audiodeskription bräuchte das Persönliche mehr stille Zeit. Neben dem Rauchen das Aussehen, Bewegungen, Kleidung, vielleicht Vorgeschichten. Oliver Jacobs‘ überzeugende Inszenierung stellte überdies das restliche Drugland-Theater unnötig in den Schatten. Sind die anderen ‚Verwandelten‘ nicht aussagekräftig genug?

Dennoch weckt mich der Film: Wie leicht machen wir Suchtkranke oder ‚Junkies‘ zu ‚Ungeziefer‘? Ist Zusammenleben wirklich zum Scheitern verurteilt, wenn man einander nicht im Geringsten begreift und wiedererkennt? Der Schluss gibt darauf nicht einmal eine utopische Antwort. Gibt’s keine?