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Arnes Durchblick #13 vom 29.5.2021: Die Inszenierung des Elternseins ändert – meine Gedanken nach einem kulturellen Ausflug

Zum Abschluss der Video-Installation Otherhood gab es eine akustische Führung. Das Wort spielt mit Motherhood wie ‚Anders-schaft‘ mit Mutterschaft.

“Moeilijk-moeilijk-moeilijk”, „Mühsam-mühsam-mühsam“, singt eine am Stuhl gefesselte Mutter zur Rassel und Tröte. Der Teekessel pfeift schrill, als eine andere Frau erzählt, dass sie ihre Fehlgeburt, ein Regenbogenkind, empfängt. Mit 14 Jahren, von Familie und Fachleuten allein gelassen.

Unaufdringlich, anspruchsvoll und zugleich rührend inszeniert, vertrauen uns die Eltern ihre Geschichte an. Wie wenig selbstbestimmt Elternschaft doch ist! Selbst fernab des religiösen Fundamentalismus wissen immer Andere, ob Frau abtreibt oder wer anerkanntermaßen (Trans-/Regenbogen-/Adoptiv-)Eltern sind. Wieviel Verantwortlichkeiten und Schuldzuweisungen für das Ergebnis ertragen Eltern deswegen?

Die körperliche Bindung durch Geburt ist stärker als väterliche oder künstliche Befruchtung. Wundert es da, wenn Mütter Verantwortung und Schuld so oft mit sich allein ausmachen und Kinder unterdessen nicht einmal die Tatsache zu leben wertschätzen können?

Oftmals belächeln Eltern Kinderlose, die auf diese Verantwortung Elternschaft verzichten. Doch wie eine Nicht-Mutter sagt: „[Ungeborenes Kind,] das ist nicht deine Schuld.“