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Arnes Durchblick #21 vom 2.9.2021: Entzeitet – Menschen, die viel – konnten – und jetzt sind sie etwas verteufelt, weil sie nicht mehr…

Der lieblose Holz-verkleidete Versammlungsraum einer Seniorenresidenz mit unauffälligen Pflanzen, beleuchtet von nur einer Stehlampe am Frühherbst-Abend. Diese Installation wurde wie „Urbane Oasen“ von Oleg Zhukov mitgestaltet. Auch diesmal wurde ein unpersönlicher Raum zur Kunststätte.

Ein Terrassenstuhl aus Kunststoff dreht mich langsam wie der Sekundenzeiger einer Uhr. Ich verliere Zeit und Raum, stoppe manchmal. Wie bei einem Literaturfeature im Radio interpretieren alterslose professionelle Stimmen über Kopfhörer die Erlebnisberichte dementer Senioren; eingerahmt von elektronischer Minimal Musik zwischen Steve Reich und Kinderliedern. Auf einem stillstehenden Terrassenstuhl dämmere ich weg in Träume von einer mir fremden Nachkriegs-Kindheit in Köln-Riehl. Auf einer Bank folge ich gebannt den Kinderhexen an der Ostsee mit ihren Blockflöten-Streichen.

Auf einem alten Fernseher modellieren lebensgezeichnete Hände auf einer Eisfläche, auf kleinen Mobilbildschirmen Bilder aus Schweden und rote Flüssigkeit.

Dünner lauwarmer Kaffee am Gaumen erinnert mich: Das künstlerische Material stammt von Residenzbewohner:innen mit Demenz. Sie erkennen vielleicht nicht mehr Freunde und Familie oder den Grund eines Lockdowns. Aber der Geist überlebt!