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Arnes Durchblick #22 vom 3.9.2021: Eine Kirche voller Unkraut – mehr als nur ein paar Pflanzen und Lautsprecher

Die Welt hochwerfen“ im Stream war kein guter Teaser für die Ausstellung „Unkraut“. Kunst vor Ort kann mehr! Denn die Bethel-Theaterwerkstatt ist längst kein soziales Verlegenheits-Projekt mehr für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.

Gemeinsam mit Judith und Manfred wurde ich überrascht von einer einladenden Michaelskirche voller Pflanzen. An leeren Cola-Kisten ein Willkommensschild auch für LGBTQ. Glaubt man der römisch-katholischen Kirche nicht immer, aber ich komm‘ gerade vom Kirchenaustritt.

In einem Käfig hängen bunt angestrahlte Fäden und halten Sukkulenten, die kaum Wasser brauchen. „Hau ab! Du gehörst hier nicht hin!“ schimpft ein Lautsprecher. Überall in der Kirche gibt’s Geräusche, Stimmen, manchmal absichtlich verzerrt, schwer verständlich. Dazwischen eine andere Ausstellung, ein Tisch mit aufgeschlagenem Lukasevangelium, an den Jugendstil-Säulen plakatgroße Pflanzenzeichnungen wie aus Humboldts Zeiten.

Ich brauchte begeisterte Augen meiner Begleitung für das inklusive Moment der orange-rosa Oase mit Sofas. Gut zum Entspannen und nachdenken. Gott ist vielleicht mehr in der herzensgemachten Natur als manch elitären Kunstkreisen, sicher mehr in Inklusions-Feuern als in Traditions-Asche.