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Arnes Durchblick #25 vom 15.9.2021: Georgette – Dee professionelle Expertin des Alltags einer Diva

Im halb leeren Gloriatheater betonen nicht wenige Männerstimmen jedes Wort nachdrücklich und erlesen. Die klingende Illusion, etwas Besonderes zu sein und zu wissen, attraktiv sowieso.
Schon seit 2002 gilt: Kein Sommerblut-Kulturfestival ohne die professionellste Expertin des Alltags als Diva. Ich befinde mich in einem historisch-kurzweiligen Rückblick in Zeiten, als Mann nur schwer offen schwul, geschweige denn Drag Queen oder Tunte sein konnte.
Wie unter alten Freunden ein schallendes Lachen, noch bevor die mehrdeutigen Pointen wie ein Schmetterlingshauch durchs Mikrofon flattern. Alle sind in ihrem Element bei Chanson-Schlagern wie „Schläft ein Lied in allen Dingen“, „Liebeskummer lohnt sich nicht“ oder „Dein Arsch“.
Mich bringt indes Georgettes ziellos-anekdotisches Sinnieren auf humorlose Abwege: Sind nicht solche Narzisst:innen in Wirklichkeit Vorbilder einer Ausgrenzungsgesellschaft: Als Partner oder Freund zu dick, zu behindert…, nicht vorzeigbar!? Doch bei „Dee-nachtgesänge“ steckt Mensch kurzzeitig selbst den Schönheitsschrecken des Alterns locker weg.
Ich bin schwul, hörsehbehindert und schmunzle divenhaft intolerant entsetzt: Ich habe künstlerisch und inhaltlich deutlich mehr erwartet, Georgette!