← Zurück zur Übersicht

Arnes Durchblick #26 vom 17.9.2021: Eine spätsommerliche Winterreise

Ein klassischer Bariton-Sänger umrahmte die Mischung von Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ mit Themen aus Thoreau‘s Buch „Walden“. Er zieht sich zurück, will sich das Leben nehmen. Doch ein Boxer hält ihn auf und ermutigt ihn schließlich konstruktiv, nicht allein zu bleiben.

Umgeben von Parkplätzen und Smartphone-Telefonaten bot die „Junge Initiative“ TanzFaktur eine sonnige Vorabend-Bühne für die Musikperformance. Expert:innen des Alltags mit Einwürfen über die Bedeutung von Macht verdeutlichten den Kampf der Berufsdarsteller:innen. Strukturierte Schauspiel- und Gesangskunst der Berufsdarsteller:innen eröffneten ihrerseits teils körperbeeinträchtigten Laiendarsteller:innen einen würdigen Entfaltungsraum.

Musikalisch bot man beispielsweise lachend Ausschnitte des zerbrochenen „Frühlingstraums“, atonale Elemente oder „Der Lindenbaum“ nach Art einer Liedertafel.

Regisseurin Frauke Meyer verriet in unserem Podcast ihre Vorliebe für Arbeit mit Atmosphäre. Deswegen bedauerte ich sehr, dass kaum Zeit war, mehr sehbeeinträchtigte Menschen für diese Aufführung zu begeistern. Die Ästhetik des Zugangs durch Audiodeskription und Musik hat sogar Potenzial für gehörlose Menschen.

Fazit: Man könnte mehr Leute sollten von solch einer inklusiven Performance zu Tränen rühren.