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#EinfachHin 15: Der Maschinenmensch als Gott — das menschliche Maß

„Das Maß der Menschen“ war der Auftakt unseres Kulturfinales. So übersetze ich den Titel der Aufführung „The Human measure“.
Der Programmtext gab Rätsel auf. Der gesprochene Text war Englisch. Doch die Bildsprache war stark genug.
Eine Gruppe weiß gekleideter Menschen feierte den neuen Gott, einen Maschinenmenschen. Den trug sie auf einem Brett feierlich über den Platz der Alten Feuerwache. Das erinnerte an wiederbelebte Naturreligionen.
Dann setzten sie den schwarz und metallisch gekleideten Schauspieler auf den Laufsteg. Er begann langsam zu laufen. Einen sehnsüchtigen Menschen umarmte er. Die Bewegungen anderer Menschen ahmte er nach.
Ich dachte an die Puppe Olimpia aus E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“. Da passierte es: Der Gott zitterte und kämpfte. Doch es half alles nichts. Er brach zusammen und erstarrte.
Die vorher so heitere Gemeinschaft stimmte ein Klageschreien wie in den jüdisch-christlichen Klageliedern aus Babel an. Sie zerlegten den Laufsteg des Gottes. Doch sie waren zu schwach. Sie fielen um, begraben unter den Bauteilen.
Doch eine Frau machte den Anfang. Sie stand wieder auf. Am Ende tanzten wir gemeinsam die Gemeinschaft der Unterschiedlichen und liefen in einer Prozession zum Kulturfinale am Ebertplatz. Keine Mad Pride wie sonst, sondern viel besser!
Manche sagten danach: Im Sozialismus wird die Gemeinschaft die neue Gottheit. Ich aber glaube, die Gottheit wurde als eigenständiges Lebewesen anerkannt. Sie macht nicht auf Zuruf, was wir von ihr erwarten.

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