Zukunft

Sommerblut Kulturfestival 2020

Zusammenfassung

Dass es die 19. Ausgabe von Sommerblut überhaupt geben würde, stand lang in Frage. Doch das Fazit kann sich sehen lassen: Immerhin 19 der ursprünglich 35 geplanten Produktionen wurden umgesetzt, wenn auch in weitgehend digitaler Form. Am Ende konnten die Festivalmacher auf 38 gestreamte Events verweisen, allesamt aus dem eigens aufgebauten TV-Studio in der Tanzfaktur übertragen. Dafür werkelten ein Dutzend Techniker im Hintergrund, hunderte Meter Kabel wurden verlegt. "Und am Ende hat es Zoom gemacht", brachte Festivalleiter Rolf Emmerich die neue Erfahrung auf den Punkt. Während draußen auf der Straße Menschen gegen den Lockdown demonstrierten, nutzte das Sommerblut-Team den Lockdown, um sich neu zu erfinden: Aus einem Theaterstück im Labyrinth wurde ein Hörspiel, aus Physical Theatre ein Kurzfilm, aus einem Bühnenereignis eine lebendige dokumentarische Website, aus einem Stück auf engstem Raum ein Audiowalk unter freiem Himmel und aus einem Besuch im Altersheim eine interaktive Videokonferenz. "Wir haben die Herausforderung angenommen und all unsere Kreativität eingesetzt", um den Kölnerinnen und Kölnern in dieser schweren Zeit zumindest etwas Kultur zu bieten", zeigte sich auch die Künstlerische Leiterin, Anna-Mareen Henke ein wenig stolz. Viel Zeit blieb dem Sommerblut-Team dafür nicht und an vielen Stellen konzentrierte man sich aufs Machbare. "Wir mussten uns von unseren Idealvorstellungen trennen, alte Gewohnheiten aufgeben und völlig neu denken", so Co-Festivalleiter Felix Dornseifer. Erstaunlich viel habe trotzdem funktioniert, trotz des technischen Neulands, das man betreten musste. Das inklusive Kulturfestival musste auch in Punkto Barrierefreiheit umdenken. Was bedeutet dieser Begriff im virtuellen Raum? Wie kann man eine Gebärdensprachdolmetscherin permanent einblenden? Braucht man ein Passwort, um Störenfriede abzuhalten oder hält das bereits Menschen von der Teilnahme ab? Was ist mit Audiodeskription oder Untertiteln in den diversen Video-Streaming-Lösungen? Mechthild Kreuser, Inklusionsbeauftragte von Sommerblut, war plötzlich weniger mit physischen Barrieren beschäftigt als mit digitalen Hürden. Der Gesundheitsschutz für alle Beteiligten stand dabei stets im Vordergrund. Insbesondere bei "Der mensch von Morgen" von Regisseur Gregor Leschig, wo chronisch Kranke die tragende Säule waren. Ebenso wie bei Damengedeck 2.0 einem virtuellen Rundgang in die Zukunft, mit 70-90-jährigen Frauen in der (Senioren-)Residenz am Dom. Nach dem Motto "Kein Millimeter nach rechts, kein Fußbreit dem Virus", gab sich Sommerblut auch 2020 betont gesellschaftskritisch und politisch. In „Furcht und Normalität in Zeiten der AFD“ wurde das Erstarken von Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien aufgegriffen, einen feministischen Ansatz bot "We are here to stay!" und bei "Touchdown 21 mini" wurde darüber nachgedacht, wie die Zukunft für Menschen mit Behinderung aussehen wird. In der großen Abschlussrunde kam unter anderem anderem der Zukunftsforscher Karl-Heinz Land mit seinen digitalen Utopien zu Wort. Der rollstuhlfahrende Schauspieler Jan Dziobek wünschte sich eine Zukunft, in der Inklusion die Regel und nicht die Ausnahme sei. Allgemeiner Wunsch der Diskutant*innen: Eine Welt in der Menschen, die von der Norm abweichen, akzeptiert sind und in der gesellschaftlicher Zusammenhalt groß geschrieben wird. Und einen Zukunftswunsch hatte auch Festivalleiter Rolf Emmerich noch: "Dass wir zu unserem 20. Jubiläum nächstes Jahr wieder im Real Life spielen, mit Zuschauern, mit physischem Kontakt und viel Applaus!"

Impressionen Sommerblut 2020

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Fr. 08.05.2020 19:00 Uhr
  • Eintritt frei
  • Graf Fidi, Tanzen inklusiv, Ohrenkuss, KimchiBrot Connection, Der Mensch von morgen, nö theater, Damengedeck 2.0, u.a.
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
Zum 19. Mal öffnet Sommerblut seine Pforten und diesmal dreht sich alles um das Thema „Zukunft“. Das Festival der Multipolarkultur zeigt die Vielfalt gelebter Inklusion in Ausschnitten diesjähriger Eigenproduktionen und Gastspiele, u.a. aus "Damengedeck 2.0", einem weiblichen Gegenentwurf zu pessimistischen Überalterungsfantasien sowie “Durch Nacht zum Licht”, “future x.”, “Der Mensch von Morgen”. Tanzen inklusiv und eine szenische Lesung von Menschen mit Down-Syndrom runden die vom Berliner Rapper Graf Fidi moderierte live gestreamte Eröffnungsveranstaltung ab.

Sa. 09.05.2020 - Do. 28.05.2020
  • Eintritt frei
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
Wie fühlt es sich an, im falschen Körper geboren zu sein? Eine Flucht miterlebt zu haben? Oder im 80. Lebensjahr die große Liebe zu finden? Wie blickt ein*e Strafgefangene*r in die Zukunft? Das von der Londoner Künstlerin Clare Patey ins Leben gerufene ›Empathy Museum‹ erforscht seit 2015, wie unsere persönlichen Beziehungen durch Empathie transformiert werden können.

Sa. 09.05.2020 - So. 24.05.2020
  • Eintritt frei
  • Gregor Kuschmirz
  • Kunststation Sankt Peter
FACE THE FUTURE handelt vom menschlichen Bedürfnis, wahrgenommen zu werden. Im Mittelpunkt steht eine Überwachungskamera mit Gesichtserkennung. Diese ist allerdings ›schüchtern‹: Erkennt die Kamera ein Gesicht, wendet sie sich ab. Durch die technische Möglichkeit, Gesichter zu erkennen und anhand von Mimik den inneren Zustand einer Person zu analysieren, stellt sich die Frage nach persönlicher Freiheit. Wo bleibt die Würde des Individuums im Zeitalter der technischen Codierbarkeit?

Sa. 09.05.2020 - Mi. 13.05.2020
  • Eintritt frei
  • ANA VALERIA GONZALEZ & CO
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
Durch Corona werden (Geschlechter-)Ungleichheiten sichtbarer, marginalisierte Gruppen haben es schwerer als zuvor und Hilfssysteme brechen vor Überlastung zusammen. Wird diese Krise dafür sorgen, dass weiblich konnotierte Arbeit als unentbehrlich für diese Gesellschaft erkannt wird? Das nun als interaktives Hörspiel umgesetzte Frauen*-Theaterprojekt WE ARE HERE TO STAY! widmet sich der Zukunft einer diversen Gesellschaft und fragt: Wo bleiben die vermeintlich »anderen« – in dieser Zukunft?

So. 10.05.2020 - Mo. 11.05.2020
  • Eintritt frei
  • Judith Block und Barbara Otto
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
FACE_OFF! ist eine Einladung zur Auseinandersetzung mit technologischen Veränderungen und ihren zukünftigen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Wie verändern Gesichtserkennungstechnologien den »Wert des Gesichts« und die »Freiheit der Mimik«? Die Künstlerin Barbara Otto benutzt die über Jahre auf Litfaßsäulen übereinander geklebten Plakatschichten, um daraus Skulpturen von Gesichtern anzufertigen. Die Designerin und Designwissenschaftlerin Judith Block setzt dagegen auf digitale Masken.

Di. 12.05.2020 17:45 Uhr
  • Eintritt frei
  • Das TOUCHDOWN 21 Team (www.touchdown21.info)
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
Bei TOUCHDOWN 21 MINI geht es um die Frage: Wie stellen sich Menschen mit Down-Syndrom die Zukunft vor? Ihre eigene. Und die der Welt. Bisher wurde ihre Stimme kaum gehört, wenn es um wichtige gesellschaftliche Themen geht. Eine jetzt junge Generation von Menschen mit Down-Syndrom ist damit nicht einverstanden und meldet sich zu Wort. Sie kreieren und erzählen Geschichten. Über einen Bankräuber mit Down-Syndrom. Jimmy Hendrix. Und über Chromosomen.

Di. 12.05.2020 - Sa. 16.05.2020
  • Eintritt frei
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
Im Beethoven-Jahr 2020 begeben sich taube und hörende Performer*innen und Musiker*innen auf einen experimentellen Musiktheatertrip. Michaela Casper und Rafael-Evitan Grombelka schaffen neuartige Erlebnisräume für Gehörlose und Hörende. Die virtuelle Performance überführt die Werke des früh ertaubten Komponisten und musikalischen Pioniers Ludwig van Beethoven in zeitgenössische Klangfarben und futuristische Visualisierungen. Gebärdensprache und Visuals treffen auf Posaune, Trompete und Electronics.

Do. 14.05.2020 18:45 Uhr
  • Eintritt frei
  • Clare Patey
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
Wie fühlt es sich an, im falschen Körper geboren zu sein? Eine Flucht miterlebt zu haben? Oder im 80. Lebensjahr die große Liebe zu finden? Wie blickt ein Strafgefangener in die Zukunft? A MILE IN MY SHOES lädt zu einer »Entdeckungsreise« ein, die Welt für einen Moment durch die Augen eines anderen Menschen zu erleben. Das von der Londoner Künstlerin Clare Patey ins Leben gerufene ›Empathy Museum‹ erforscht seit 2015, wie unsere persönlichen Beziehungen durch Empathie transformiert werden können.

Fr. 15.05.2020 - Mi. 20.05.2020
  • VVK 6 €
  • Behrmann / Koch / Mielich
  • Interaktive
Nach dem Motto »die Zukunft ist weiblich« wagen Behrmann / Koch / Mielich einen „Anruf in die Gefahrenzone“ — also einen exklusiven Einblick in eine Kölner Senior*innenresidenz. Die Stimmen der Älteren sind schließlich jetzt wertvoller denn je. Gemeinsam mit den 70- bis 90-jährigen Bewohnerinnen begeben sich die Künstlerinnen auf einen performativen »Rundgang in die Zukunft«. Sie tauschen die Bühne gegen einen virtuellen Raum, in dem sich das Publikum und die Damen begegnen:

Fr. 15.05.2020 - Sa. 16.05.2020
  • Eintritt frei
  • Svetlana Fourer Ensemble
  • Live-Stream auf www.sommerblut.de
Goodbye Great Britain, hello Ukraine? Welche Visionen von Europa haben zehn Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren aus jenen Regionen der Ostukraine, in denen der bewaffnete Konflikt mit Russland ausgetragen wird? Im August 2019 besuchten sie das Rheinland, um mit gleichaltrigen Jugendlichen die europäische Gegenwart zu diskutieren. Was erwarten sie jetzt? Wird es Krieg geben? Oder wird der Wunsch vieler nach Annäherung an die Europäische Union auf friedliche Weise in Erfüllung gehen?