Glaube
Sommerblut Kulturfestival 2019
20. TAG DER BEGEGNUNG Landschaftsverband Rheinland
Der »Tag der Begegnung« des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ist das größte Fest für Menschen mit und ohne Behinderung in Europa. Auf drei Bühnen mit Musik, Tanz und Kleinkunst feiern Künstler*innen mit und ohne Behinderung mit den Gästen für ein besseres Miteinander. Das Programm wird in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt.
An etwa 150 Ständen im Rheinpark bieten Unternehmen, Verbände und Vereine Informationen und spannende Mitmach-Angebote für alle an: Vom Besteigen einer Kletterwand, Bogenschießen, Fotosessions bis zur Verkleidungsaktion ist für jeden etwas dabei. In diesem Jahr findet der »Tag der Begegnung« zum 20. Mal statt – mehrere Zehntausend Gäste erwartet der LVR zu dieser Signalveranstaltung, deren Ziel es ist, gegen Barrieren in den Köpfen anzufeiern.
Auf den Bühnen stehen Druckluft, Reinhard Horn, Just Fun, Marie Loreine, Dodzi Dougban, Rapfugees und Mischa Gohlke,Rafael-Evitan Grombelka u.v.m.
ERÖFFNUNG
Die Eröffnungsfeier gibt einen Vorgeschmack auf das vielfältige und innovative Sommerblut-Kulturfestival, das mit seinem Schwerpunkt GLAUBE Herz und Verstand anregt. Singer-Songwriterin CassMae, der Comedy-Newcomer Tan Caglar, »Sein«, die genre-übergreifende Show der Begegnung, der Breakdancer Redo, der Pop Nights Act von Culcha Candela, Leslie Clio und Jochen Distelmeyer bringen den Tanzbrunnen in Schwingung.
GLAUBE AUF KUBA
Kunsträume der Michael Horbach Stiftung
Kubas Glaube und Spiritualität sind so bunt und reich wie die Palette der indigenen, afrikanischen und europäischen Wurzeln der Bewohner*innen. Die Fotoausstellung »Glaube auf Kuba« mit sieben Künstlern gibt überraschende Einblicke. Drei von ihnen, Pep Bonet, Raul Canibaño und Karl Haimel, tragen mit s/w-Fotografien den San Lazaro-Kult in Berührungsnähe an uns heran. Tausende von Anhän-
ger*innen pilgern alljährlich zur Wallfahrtskirche in Rincón in der Nähe von Havanna, wo sie dem Heiligen Lazarus huldigen, der nach ihrem Glauben für die Heilung von Krankheiten zuständig ist.
Fotografien von Alfredo Sarabia ermöglichen ein sinnesstarkes Miterleben der Zeremonien kubanischer Christen. Nebenan werfen wir durch Arien Changs Farbfotografien einen Blick auf geheimnis-voll-mythische Abakua-Rituale. Sven Creutzmann legt den Fokus auf die jüdische Glaubensgemeinschaft und auf die synkretistische, afro-amerikanische Santeria-Religion, die von einer Einheit der katholischen Heiligen (santos) mit ihren Göttern (orishas) ausgeht. Joan Alvados Werke ergänzen die Bandbreite um einen weiteren Aspekt: Muslime in Kuba.
BELIEVE IT – OR NOT
Bürgerhaus Stollwerck
»Believe it – or not« nimmt die Widersprüchlichkeit von Religion(sausübung) und Frauenrechten in den Fokus. Der Spielort gleicht einem Labyrinth, in dem 20 Frauen verschiedener Herkunft, Religion, sexueller Orientierung und sozialer Zugehörigkeit von der Dunkelheit ins Licht treten. Hier wie dort treffen sie auf Expertinnen der verschiedenen Religionen: Rabbinerinnen, Pfarrerinnen, Imaninnen, Gläubige sowie Nichtgläubige mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Vertreterinnen religiöser Frauenrechtsorganisationen: Sie alle erzählen von gelebten Erfahrungen ihres religiösen Alltags, erklären, wie sie mit Rollenzuweisungen umgehen und wieso sie sich von Religion abwenden oder zu ihr hin.
Die Bühne – ein flackernder Irrgarten, in dem das Publikum eigene Glaubensentwürfe auf den Prüfstand stellen kann – gibt Einblicke in die Umstände weiblicher Religionsausübung und -praktiken sowie in verschiedene utopische Entwürfe weiblicher Religion.
DER GOLEM
Die metaphysische Suche nach Identität, das Erscheinen eines sonderbaren, seelenlosen Wesens, die Weisheit der Kabbala, das jüdische Viertel in Prag, zwei wie Kain und Abel verfeindete Söhne – das sind die Ingredienzien des geheimnisvollen Romans »Der Golem«, den Gustav Meyrink, ein Zeitgenosse Kafkas, 1912 in Prag verfasste:
Ein Mann wandert durch mehrere Identitäten und erblickt doch immer wieder sich selbst. Sind die Umgrenzungen unseres Ichs, die uns unsere Vernunft vorgibt, nicht träumerischer, unschärfer als wir
es wahrhaben wollen?
Die Seelenwanderung scheint für Meyrink mehr zu sein als nur ein Steckenpferd fragwürdiger Parapsychologen oder abergläubischer Geisterseher.
Die Literatur-Oper Köln bringt den Roman in einer spannenden Opern-Bearbeitung für acht Sänger*innen und kleines Instrumental-Ensemble auf die Bühne. Der Komponist Henrik Albrecht, bekannt für sein von ihm erfundenes Genre der Orchesterhörspiele, sorgt für eine filmisch dichte Musik, die die psychologischen Ebenen der Figuren ausleuchtet und das Publikum in die sonderbaren Welten des Autors Gustav Meyrink entführt.
LIGHTS & VESSELS
TanzFaktur
Gebärdensprache und religiöse Mystik: Das 2014 von Gal Naor und Matan Zamir gegründete Tanzensemble The progressive wave geht dieser Beziehung in seinem expressiv-spirituellen Stück »Lights & Vessels« auf den Grund. Die beiden aus Israel stammen- den Künstler haben in Berlin eine neue Heimat gefunden und suchen nach neuen Wegen der Kommunikation. Ihre Verbindung von Tanz und Gebärdensprache sorgt für eine einzigartige Bühnenerfahrung.
Was ist die Sprache aller Sprachen und welche universellen Botschaften hallen in ihr wider? Der erste Teil der »Science of Signs«-Trilogie bietet neben audio-visueller Innovation auch eine faszinierende Sicht auf die Weisheitslehre der Kabbala. Zugleich regt das Stück eine zeitgemäße Interpretation der heiligen Sprache an, die nach jüdischer Überlieferung bis zum Turmbau von Babel alle Menschen miteinander verband.
Für The progressive wave liegt die Suche nach der universellen Sprache im Fokus sowie das Erfassen der universellen Botschaft, die durch sie hindurchdringt.
Eine wissenschaftliche Performance über die Metaphysik der Liebe.
DIE NÄCHTE ...
Alte Feuerwache | Bühne
Mehr als 600 Jahre bestimmte der Orden der Mevlevi das geistige Leben im Osmanischen Reich entscheidend mit. Die Botschaft des Sufismus brachte namhafte Dichter, Musiker, Theologen und Politiker hervor. Orient-Reisenden fielen die Mevlevis hauptsächlich auf durch das Ritual des »Sema«, des rituellen Drehtanzes, mit dem die Bruderschaft als »tanzende Derwische« weltweit zum Synonym der orientalischen Mystik wurde.
Die Wurzeln der religiös-philosophischen Lehre gehen zurück auf den 1273 verstorbenen Mystiker und einen der größten Dichter der Weltliteratur – Mevlana Celaleddin-i Rumi, der in Afghanistan geboren wurde, lange in Istanbul wirkte und in Konya (Türkei) starb. Zu seiner Grabstätte pilgern immer noch Millionen Gläubige aus aller Welt, sie gehört zu den heiligsten Stätten des Sufismus. In Istanbul findet sich auch heute noch die Teke (Derwisch-Loge) im Stadtteil Galata, in dem das Galata Mevlevi Ensemble wirkt.
Der Orden der Mevlevis nahm erst nach dem Tode Rumis feste Gestalt an, und der Drehtanz wurde im Laufe der Jahrhunderte wichtiger Bestandteil des Lebens der Ordensmitglieder und weltberühmtes Merkmal osmanisch-orientalischer Kultur. Im Jahr 1922 wurde der Orden von der laizistisch geprägten Regierung Atatürks verboten und bestand bis Anfang der 80er Jahre als Geheimbund weiter. Neuerdings jedoch erfährt das Galata Mevlevi Ensemble einen regen Zuspruch von insbesondere jungen Musikern und Tänzern.
... DES RAMADAN
Alte Feuerwache | Bühne
Das Ensemble Talago Buni kommt aus dem westlichen Hochland der indonesischen Insel Sumatra, im Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Dort ist die Heimat der Minangkabau, die heute noch als matrilineare und matrilokale Gesellschaft leben: Besitztum geht von der Mutter auf die Tochter über, bei Heirat zieht der Mann zur Familie der Frau.
Gleichzeitig sind die Minangkabau seit dem 16. Jahrhundert überzeugte Muslime, und religiöse sowie politische Geschäfte liegen in der Hand der Männer. Die parallele Existenz verschiedener politischer und rechtlicher Autoritäten ist ein entscheidendes Merkmal ihrer heutigen Lebensweise und Kultur.
Dieses vielfältige Gerüst aus sozialen und kulturellen Strukturen spiegelt sich auch in ihren musikalischen Traditionen wider – eine reiche Inspirationsquelle für die studierten Musiker von Talago Buni. Seit der Gründung der Gruppe 1998 war es ihr Ziel, neue Musik zu komponieren und zu spielen, ohne dabei auf die typischen, traditionellen Klänge zu verzichten. Was dabei entsteht, ist ein einzigartiger Minangkabau-Sound des 21. Jahrhunderts zwischen Trance, Meditation und beflügelnden Liedern.
CITY OF FAITH – GLAUBT DOCH WAS IHR WOLLT
Sie ist ein Schlüsseltext der Aufklärung. Wann immer es um die Toleranz der Religionen sowie ihrer Anhänger untereinander geht, wird sie zitiert: die Ringparabel aus dem Theaterstück »Nathan der Weise« von Gotthold Ephraim Lessing.
In Zeiten der immer schneller voranschreitenden Modernisierung könnte man meinen, dass Religion und Glaube keine große Rolle mehr spielen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Götter kehren zurück, und Köln ist ihre Hauptstadt. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele verschiedene
Glaubensgemeinschaften.
Chorweiler ist dafür besonders repräsentativ. Auf engstem Raum leben hier Angehörige vieler verschiedener Glaubensrichtungen und gehen ihren religiösen Gepflogenheiten nach. Sie alle stehen als Chor der Gläubigen auf der Bühne und weben ihre persönlichen Geschichten und Glaubensbekenntnisse in Lessings berühmte Ringparabel ein.
Stefan Herrmann geht auf eine Recherchereise in ein Veedel, das berüchtigt und doch so liebenswert ist. Mit den Teilnehmern sucht er nach Antworten auf die ewigen Fragen: Warum glauben wir? Warum glauben wir nicht?
AFGHANISTAN 1969. EIN LAND, VOM KINO GERETTET
»Afghanistan 1969. Ein Land, vom Kino gerettet« stellt einen alten Super8-Amateurfilm in den Mittelpunkt, der 1969 gedreht wurde. Das Land, das wir im Film sehen, gibt es nicht mehr. Nicht nur, weil vom Moment der Dreharbeiten bis heute 50 Jahre vergangen sind, sondern vor allem wegen der Verwüstung durch die zahlreichen Kriege. Und das trotz der so genannten Sicherheitsmissionen, bei denen das deutsche Einsatzkontingent immer noch eines der größten ist.
Der Film zeigt uns ein Land, das noch in Frieden und religiöser Toleranz lebt. Heutzutage unvorstellbar. Ein besonderes Erlebnis wird die Vorführung durch die Begleitung mit Live-Musik, gespielt von vier Instrumentalisten aus Italien, Irak und Afghanistan. Der Soundtrack ist eine Begegnung zwischen europäischer und orientalischer Musiktradition, der die damals alltägliche Begegnung unterschiedlicher Kulturen untermalt.
Die Film-Bilder zeigen uns, dass es eine andere und bessere Realität gegeben hat. Dieser Film über Afghanistan ist Ausdruck des Wunsches nach einer neuen möglichen Harmonie für einen von Kriegen geplagten Staat – und für alle anderen Länder, die sich im Krieg befinden.
YOUTOPIA
Können wir an eine Zukunft der Menschheit glauben? Viele globale Veränderungen der letzten Jahre lassen sich auch als weltweite Umweltsünden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit (oft im Namen der Religion) oder moralische Verwerfungen bezeichnen. Und diese haben gravierende Auswirkungen auf Menschen, die im Jahr 1990 oder 2000 geboren wurden und 2050 oder 2070 noch leben werden.
Das Theaterprojekt YOUTOPIA bringt junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung, Hautfarbe, Konfession und mit unterschiedlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen sowie professionelle Schauspieler*innen und Tänzer*innen zusammen. In szenisch-musikalischen Performances an Spielorten rund um den Neumarkt entwickeln sie utopische Vorstellungen einer möglichen Zukunft und verleihen ihren Wünschen, Werten und Visionen einen künstlerischen, theatralen Ausdruck. Berührend und nachdenklich, absurd und durchdacht, sprunghaft und behutsam, überraschend und provokant, aber in jedem Fall persönlich.
Die Performance wird in einem geführten Rundgang realisiert. Da sie zu großen Teilen im Außenbereich stattfindet, werden festes Schuhwerk und wettergemäße Kleidung empfohlen.
DER KAUFMANN VON VENEDIG
Odonien
Sie werden gesellschaftlich ignoriert, in Nischen gedrängt, vertrieben oder assimiliert – William Shakespeares Drama »Der Kaufmann von Venedig« thematisiert eindrücklich den Umgang mit Parallelgesellschaften. Gleichzeitig entwirft Shakespeare in seiner Tragikomödie das Bild einer globalisierten Welt, in der das Kapital frei fließt und kontrastiert es mit einer märchenhaften Welt von Prinzessinnen und Rätseln.
Konflikte zwischen Religionen, Integration, Fremdenhass, globaler Handel, Finanzspekulation – kaum zu glauben, dass ein Stück, das all diese aktuellen Themen aufs Spannendste miteinander verwebt, gut 450 Jahre alt ist.
Das Projekt bringt professionelle Schauspieler*innen und Musiker*innen gemeinsam mit Menschen aus den Blocks der
Nachbarschaften auf die große Open Air Bühne Odoniens.
Als Musik des Stücks arrangiert Andy Miles Themen des deutsch-französischen Komponisten Jacques Offenbach, in dessen Leben, geprägt von religiöser Ausgrenzung, sich das Grundthema von Shakespeares Stück spiegelt.
THE SKY ABOVE, THE MUD BELOW
TanzFaktur
Die Hip-Hop-Tänzerin Farah Deen wuchs in Salzburg auf. Ihre Mutter ist gebürtige Kärntnerin, ihr Vater stammt aus dem muslimisch geprägten Sri Lanka. Den Einfluss beider Kulturen lebt und erlebt sie in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld.
In »the Sky above, the Mud below« begibt Farah Deen sich auf eine Reise durch die Spannungsfelder Religion und Frau-Sein. In ihrem Solostück demontiert sie das dominante Weltbild mit einem männlichen und allmächtigen Schöpfer, welches den Mann als menschliche Norm definiert. Sie formt und hinterfragt tänzerisch unterschiedliche Stereotypen und präsentiert eine tänzerische Evolution ihrer selbst.
Der Stil des Stücks ergibt sich maßgeblich aus den Tanzrichtungen Popping, Breaking (Breakdance) und Threading. Farah Deen betritt dabei, unter Anleitung von Valentin Alfery, improvisatorisches Neuland im Bereich des urban dance.
Das von Golnaz Bashiri kreierte Bühnenbild basiert auf einem Bodenmuster, welches den achtzackigen Stern und das Hexagon nutzt, wie sie auf islamischen Kuppeldecken aber auch in christlichen Gemälden vorkommen.
Die urbane Tanzcompany Hungry Sharks wurde 2011 vom Choreografen Valentin Alfery und der Produzentin Dušana Baltić
mit dem Ziel gegründet, die Bewegungssprache urbaner Tanzstile im Theater zu etablieren.
PLANET EDEN
In Marc Schnittgers Stück über das Hieronymus-Bosch-Gemälde »Der Garten Eden« steckt der Teufel in Schwierigkeiten. Die Menschen sind drauf und dran, die Erde zu vernichten. Krieg und Gemetzel überall, Umweltverschmutzung, Klimakollaps. Des Teufels Arbeitsplatz auf Erden ist akut gefährdet. Er bittet Gott, endlich einzugreifen. Aber der hat keine Lust mehr. Soll doch sein Widersacher die Dinge richten.
Also beginnt der Teufel, die Erde zu retten – auf seine Weise. Er bedient sich dabei des erfolglosen Erfinders Dr. Hinnerk Fesst. Mit teuflischen Fähigkeiten ausgestattet, schafft dieser Erstaunliches: Er löst das Hungerproblem in der Dritten Welt durch Verwandlung von Elektroschrott in zarte Hühnerfilets, entwickelt das Perpetuum Mobile zur CO2-Reduktion und erschafft einen neuen Erdtrabanten mit Namen »Planet Eden«. Aber das Projekt Menschheitsrettung erweist sich als schwierig. Die Aufgabe droht dem Teufel zu entgleiten ...
Der vielfach ausgezeichnete Puppenspieler Marc Schnittger kombiniert in seiner Weltuntergangsvision in der für ihn charakteristischen Weise Schauspiel und lebensgroße Figuren.
TIME AFTER TIME
Die finnische Zeichnerin Kaisa Leka und ihr Mann Christoffer sind Anhänger der hinduistischen Glaubensrichtung
Gaudiya Vaishnava, in deren Zentrum die Verehrung des Gottes Krishna steht. In ihrem Buch »Time after Time« lassen sie ihre Alter Egos, eine Ente (Christoffer) und eine Maus (Kaisa) in die hinduistische Mythologie eintauchen. Sie erzählen mit Wärme und Humor die in Indien sehr populäre Geschichte von den zehn Avataren oder Erscheinungsformen, die Krishna annahm, um in die Welt der Sterblichen hinabzusteigen.
In der Ausstellung wird dieses Buchprojekt vorgestellt.
Kaisa Leka wurde mit deformierten Füßen geboren, die ihr chronische Schmerzen bereiteten und das Laufen zunehmend
problematisch machten. Nach vielen Überlegungen entschied sie gegen den anfänglichen Widerstand ihrer Ärzte, sich beide Unterschenkel amputieren zu lassen. Zu dieser Entscheidung trug u.a. die Begegnung mit ihrem späteren Mann Christoffer bei, der bereits dem Krishna-Glauben angehörte. Sie verstand nun ihre deformierten Füße als Produkt des Karma aus einem früheren Leben, was es ihr leichter machte, sich von ihnen zu trennen.
Zur Vernissage ist die Künstlerin anwesend und zeigt eine illustrierte Präsentation zur Entstehungsgeschichte des Buches, in der sie von den Herausforderungen des Projektes und dem Spannungsfeld zwischen bildreicher indischer Ästhetik und skandinavischem Minimalismus erzählt.
THE ARTIST & THE PERVERT
Ohne Erzähler, ohne einordnenden Kommentar lässt »The Artist & The Pervert« vor allem seine Protagonisten selbst zu Wort kommen: Mollena Lee Williams-Haas und Georg Friedrich Haas. Die afroamerikanische Sexualpädagogin, Autorin und Performerin und der renommierte österreichische Komponist mit nationalsozialistischem Familienhintergrund suchten 40 Jahre lang nach dem richtigen Partner, nun leben sie glücklich und offen in einer BDSM-Beziehung. Sie ist 24 Stunden, 7 Tage die Woche seine »Sklavin« und Muse, er ist ihr Meister. Der Film begleitet ein Jahr lang diese zwei Menschen, die sich selbst und einander gefunden haben, auf ihrem Weg radikaler Selbstbestimmung.
Beatrice Behn ist Chefredakteurin des größten deutschsprachigen Online-Filmmagazins Kino-Zeit und seit über 10 Jahren Filmkritikerin. Ihre Haupttätigkeitsfelder sind u.a. Genrekino, Körper-, Gender- und feministische Filmstudien.
René Gebhardt ist Art Director, Designer, Fotograf und Filmemacher. Er ist Mitglied im Art Directors Club Deutschland und gewann in seiner mehr als 10-jährigen Laufbahn für seine Arbeiten über 200 nationale und internationale Kreativpreise.
»The Artist & The Pervert« ist der erste Langfilm der beiden.
HYENA
Das Licht der Aufklärung hat die Dämonen in den Orkus der Nichtexistenz verbannt, was diese allerdings nicht daran hindert, unsere Herzen und Sinne zu beherrschen. Georg Friedrich Haas komponierte die Musik für »Hyena« zur autobiografischen Erzählung seiner Frau – der Schauspielerin und Storytellerin Mollena Lee Williams-Haas – über den harten Weg von der Alkoholabhängigkeit zur Abstinenz. Sie kämpft um die Befreiung von ihrem inneren Dämon – personifiziert in Gestalt einer Hyäne, die sie auf ihrem Lebensweg begleitet und immer wieder in Versuchung führt.
Mollena Lee Williams-Haas wollte ihren sehr persönlichen Text zur Überwindung ihrer Sucht eigentlich nicht veröffentlichen, doch sie änderte ihren Entschluss anlässlich einer Einladung zur renommierten Porchlight-Veranstaltung für Geschichtenerzähler in San Francisco. In der Folge wurde ihr unglaublich intensiver Text in den USA landesweit im Radio ausgestrahlt.
Der Österreicher Georg Friedrich Haas ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Komponisten weltweit und wurde für seine Werke mit zahlreichen Kompositionspreisen ausgezeichnet. Für den Text seiner Frau erschuf er ein musikalisches Werk, das den halluzinativen Charakter des Textes noch verstärkt. »Ich muss gestehen, dass es für mich nicht immer ganz leicht ist, mich darauf einzulassen. Der Text handelt von meiner geliebten Lebenspartnerin,
und sie ist hier dem Tod näher als dem Leben. Das geht sehr nahe.«
THE JUMPING FISH
Der Workshop findet während der Proben für die Installation »Flying Fish« statt. Der Probenraum wird zum Aktionsraum, die Bühne – ohne Publikum – zu einem aktiven Parcours, angeleitet vom ganzen »Flying Fish« Team.
Das Ensemble führt die Teilnehmenden durch verschiedene Bereiche, die der Verfeinerung der Wahrnehmung dienen und die Mentalität des Zuschauens erforschen. So wird zeitweise mit verbundenen Augen gearbeitet, Geschichten zugehört, Berührungen empfunden.
Der Workshop bietet eine intensive Erfahrung: Die Welt steht Kopf, Realitäten werden hinterfragt, und die Teilnehmer*innen gehen auf eine magische Entdeckungsreise. In einfachen Schritten werden sie angeleitet, über ihre Sinne Umgebung und Umgebende neu zu erfahren – und tauchen ein in die wundersame Welt des »fliegenden Fisches«. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich!
Das Konzept des Workshops wurde von André Jolles, internationaler Choreograf aus Köln und Analía Celeste Muñiz, Tänzerin und Performerin aus Buenos Aires, parallel zur Kreation von »Flying Fish« entwickelt.
Eine Anmeldung ist erforderlich, da nur eine sehr begrenzte Anzahl von Teilnehmer*innen möglich ist.
FLYING FISH
»WIR LIEGEN ALLE IN DER GOSSE, ABER EINIGE VON UNS BETRACHTEN DIE STERNE« (Oscar Wilde)
Die Linie ist dünn, manchmal scheint sie zu verschwinden. Die Trennlinie zwischen Ritualen und Routinen, Traditionen und Ticks, priesterlicher Weihe und Popanz. Wir sind umgeben von ihnen, überall und jeden Tag: Flying Fish. Woran
halten Sie sich fest?
Ein eigener Rhythmus, ein eigener Weg, alles im Fluss. Kommen und gehen, wann immer man will. Das Gefühl aushalten, etwas zu verpassen. Bewegen Sie sich durch die Installation – dann wird es zu Ihrer eigenen Performance.
»Flying Fish« ist eine sowohl freie als auch geführte Installation, die aus einer deutsch-niederländischen Kooperation entsteht. Die beiden Künstlerkollektive, United Cowboys aus Eindhoven und 687performance aus Köln verbindet seit vier Jahren eine Zusammenarbeit in multidisziplinären Kontexten.
JOSSEL RAKOVERS WENDUNG ZU GOTT
Die namensgebende, fiktive Figur, Jossel Rakover, ist einer der letzten Überlebenden des Aufstandes im Warschauer Ghetto. In dieser ausweglosen Situation legt er über sein diesseitiges Leben, seinen Glauben und seine Verbindung zu Gott Rechenschaft ab. Aus der Perspektive eines Einzelnen gibt er Auskunft über das Leben im Warschauer Ghetto und über den Versuch, der Barbarei bis zuletzt Widerstand entgegenzusetzen.
Der Text von Zvi Kollitz aus dem Jahr 1946, ursprünglich eine Auftragsarbeit für die »Jiddische Zeitung« in Buenos Aires, berührt existenzielle Themenfelder und Fragen: Warum Leid? Wozu ist der Mensch in der Lage, wenn er sich ideologisch verführen lässt, bzw. wenn er das nicht tut und weiterhin selbstständig denkt? Wer ist Gott? Lohnt es sich, mit diesem Gott zu ringen und in die Konfrontation zu gehen?
Mathias Bonhoeffer, schauspielerfahrener Pfarrer an der Kartäuserkirche und Großneffe Dietrich Bonhoeffers, hat den Text unter der Regie von Milan Sladek in Szene gesetzt.
SEED
St. Gertrud
Der Teufel verkörpert in vielen Religionen die Manifestation des Bösen. Teufelsaustreibung klingt wie ein Relikt aus vergangener Zeit: ein Körper, besessen vom »Bösen«, unangepasst, unbequem, eine mittelalterliche Sicht ... oder nicht? IPtanz sucht einen aktuellen Bezug zum Vorgang der »Teufelsaustreibung« als Bild für Formen der gesellschaftlichen Maßregelung. Der Körper als Display von Interpretation. Die Inszenierung gibt keine Antworten. Die Besucher*innen der Installation werden in ein Netz von Körpermetaphern, Eindrücken und Aspekten verstrickt, der vertraute Raum löst sich auf, und die Fragwürdigkeit von Standpunkten wird visuell transparent.
Die Inszenierungen von IPtanz konzentrieren sich auf »ungewöhnliche Orte« jenseits klassischer Bühnen und richten
sich an ein Publikum, das bewusst das Erlebnis in theaterfremden Räumen sucht. Eine Ausstellung jeweils von 17–19 Uhr während der drei Veranstaltungstage sowie Publikumsgespräche nach den Vorstellungen geben Einblicke in den Probenprozess.
KRAFT UND BEISTAND
Alte Feuerwache | Halle
Das Leben mit einer chronischen Krankheit ruft viele Gefühle hervor. Negative, wie Angst und Sorge um Gesundheit und Leben, Wut auf das eigene Schicksal und die Konsequenzen, die sich aus der Krankheit ergeben. Etwas Unabänderliches ist ins Leben getreten. Aber es gibt auch Positives: Zuversicht, die einem aus der Hilfe anderer oder aus der Erkenntnis eigener Stärke erwächst. Kräfte, die man in sich spürt und von denen man vorher gar nicht wusste, dass sie existieren.
Das Zeigen von Gefühlen aber ist die Essenz des Theaters. »Kraft und Beistand« kommt mit diesen Empfindungen und Kräften ins Gespräch und bringt sie auf die Bühne. Wie im mittelalterlichen Mysterienspiel erscheinen hier die bösen und die guten Geister, die uns begleiten, leibhaftig auf dem Theater. Sie müssen Rede und Antwort stehen. Auch Gott selbst und Dämonen aller Art wurden einbestellt. Eine wuchtige und zugleich humorvolle Auseinandersetzung mit dem, was wir alle lieber gar nicht mehr kennen lernen wollen: dem Schicksal.
DAS MÄDCHEN OHNE HÄNDE
FWT: Freies Werkstatt Theater
Sucht sucht sich ihren Weg. Und ab und an finden Süchtige einen Trost und Halt im Glauben. Aber Sucht sucht auch nach dem Sinn des Ganzen. Warum bin ich hier? Warum leide ich? Gibt es eine Erlösung von meinem Leiden? Darum bieten die Themen Sucht und Glaube mehr Schnittmengen als man denken könnte.
Die Projektgruppe DRUGLAND besteht zum größten Teil aus Menschen mit langjährigen Suchterfahrungen. Zum wiederholten
Male beschäftigen sie sich mit dem Thema Sucht in verschiedenen Zusammenhängen. Diesmal haben sie ein Grimmsches Märchen als Vorlage genommen: »Das Mädchen ohne Hände«. Drum herum oder zwischendrin fließen Texte der Teilnehmer*innen über ihre eigenen schwierigen Lebenswege in die Inszenierung ein.
Märchen beinhalten meist grausame Bilder, spenden aber auch oft Trost und Inspiration, wenn es darum geht, das eigene Leben zu meistern oder wieder in den Griff zu bekommen. Die Inszenierung thematisiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Vorlage und realem Leben.
Mit ihrem letzten Projekt wurde die Gruppe für den Kölner Tanz- und Theaterpreis nominiert.
SACRIFICIO
Das Opfer ist ein zentrales Element fast aller Religionen. Die Götterwelt ist anspruchsvoll und fordert zahlreiche Opfer, um sie gnädig zu stimmen. Je schwerer das Opfer fällt, umso größer ist die erwartete Gunst. Das größte Opfer ist das des eigenen Lebens.
Sacrificio ist ein Programm barocker Sololiteratur und widmet sich der Frage nach dem Opfer im Kampf zwischen Gut und Böse. Am Anfang steht dabei der Fall Lucifers, gefolgt von der Klage Davids über Jonathan, einem Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen im Kampf gegen die Philister. Den Höhepunkt bildet Tarquinio Merulas »Curtio precipitato«. Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts betrachten darin Komponist und Textdichter die Absicht des römischen Legionärs Curtio, sich »für Rom« zu opfern, kritisch, sarkastisch, ja geradezu satirisch. »Welches Vergnügen bereitet es demjenigen in Rom, wenn irgendeiner in Indien ihn ehrt?«
Sacrificio stellt die Frage, welche Bedeutung dieses Opfer wirklich hat und ob es nicht nur Wahn und Verblendung entlarvt und behandelt damit ein zeitloses Thema.
BEVOR DER MESSIAS KOMMT!
Viele Christen glauben, dass Jesus eines Tages als Messias wiederkehren wird, um die Welt zu retten.
Das wäre gut – aber wie kriegen wir es hin, dass der Messias es bis nach Europa schafft? Wenn er wie damals vor 2019 Jahren wieder in Nazareth auf die Welt kommen sollte, wird er einige Probleme haben, aus dem Nahen Osten ein Visum für ein europäisches Land zu bekommen. Vor allem als Prediger. Auch sein Aussehen mit Vollbart und langen Haaren werden ihm da nicht unbedingt eine Hilfe sein.
In seinem Soloprogramm beschäftigt sich der türkisch-stämmige Kölner Kabarettist Aydin Isik mit der Ankunft des Messias. Welche Vorbereitungen müssen wir treffen? Sind wir überhaupt schon so weit, ihn zu empfangen?
Welche Ausreden müssen wir uns einfallen lassen, um ihm zu erklären, dass wir seine Bergpredigt doch nicht so ganz verinnerlichen konnten, dass wir alle mehr Zeit im Internet verbringen als in Kirchen, Moscheen oder Synagogen, dass die Live-Ausstrahlung vom Dschungelcamp wichtiger ist als Pegida-Gegendemos und dass unsere Nächstenliebe spätestens bei den Derbys der Bundesliga aufhört?
MISCHA GOHLKE BAND
Musiker. Aktivist. Speaker. Kulturmanager. Autor. Dozent. Inklusionsbotschafter. Und vor allem Mensch. Der Hamburger Gitarrist Mischa Gohlke ist ebenso facettenreich wie seine erstaunliche Biographie. Mit einer an Taubheit grenzenden Hörschädigung ist er erfolgreich den Weg als Profimusiker gegangen und hat das scheinbar Unmögliche möglich gemacht, indem er an sich glaubte.
Mit seinem explosiven Gitarrenspiel bringt Gohlke »die schöpferische Essenz von Musik zum Ausdruck«, die für ihn auch
ein Türöffner für spirituelle Erfahrungen ist.
In der nach ihm benannten »Mischa Gohlke Band« fließen englisch- und deutschsprachige Eigenkompositionen zu einer Melange aus Blues-, Funk-, Rock- und Pop-Elementen zusammen, ergänzt durch Songinterpretationen von Jimi Hendrix & Stevie Ray Vaughan.
DIE NEUN GEBOTE
Odonien
Die Uhr schlägt Neun. Vier Teufel springen auf einen überdimensionalen Altar, der gold und silbern schimmert. Sie sind gekommen, um die Neun Gebote des Geldgottes zu verkünden und versprechen eine hohe Belohnung: Wer sein Leben ohne Rücksicht auf Verluste und Kollateralschäden lebt, bekommt Geld, sehr viel Geld.
Das Teatro Due Mondi aus dem italienischen Faenza zeigt ein groteskes Varieté aus Teufelstänzen, ausufernden Gelagen
und perfiden Manövern. Die Bühne besteht aus verschiedenen Ebenen, die sich mithilfe von Projektionen ständig zu verschieben scheinen: vom Himmel in die Hölle und zurück. Dirigiert wird das Geschehen von einem Goldkalb, dem Götzenbild aus der Bibel, das über dem Altar schwebend seinen Spaß daran hat, den Menschen ihre Sünden vorzuführen.
Das politisch und sozial engagierte Ensemble, das seit 40 Jahren Straßentheater macht, will mit seiner Mischung aus Choreographien, Projektionen und Musik zum Nachdenken anregen.
DEE LIEBLINGS LIEDER
Wenn im Juni der Frühling schon so richtig in Fahrt gekommen ist, sein fröhlich buntes Licht erstrahlt, wenn sein zartes Grün Hecken und Bäume anzündet, dann bindet uns Georgette Dee Lieblings-Chansons und -Lieder schon mal als üppig duftenden Blumenstrauß voller übernatürlicher Wirkung. Ein Hallelujah für all unsere Herzen.
Gemeinsam mit Terry Truck zaubert Georgette ein wärmendes Leuchten, einen prickelnden Spritz für die Seele und frischen Schwung fürs Gemüt, garniert mit schicksalhaften Geschichten von Fern- und Heimweh, vom Ankommen und Loslassen und immer vom unerschütterlichen Glauben an die Liebe.
KÖLNER FESTIVAL DER RELIGIONEN
Am 9. Juni laden das Sommerblut Kulturfestival und die Stadt Köln in Kooperation mit Faiths In Tune und mit Unterstützung des Kölner Rates der Religionen alle Mitbürger*innen zum Kölner Festival der Religionen unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein, um gemeinsam die religiöse und kulturelle Vielfalt unserer Stadt zu feiern.
Das kostenlose Event umfasst ein ganztägiges vielseitiges Bühnenprogramm mit Musik und Tanz vieler verschiedener Religionsgemeinschaften, einen Markt der Vielfalt, inspirierende Kunst- und Wissensausstellungen, interaktive Workshops sowie ein buntes Mitmachangebot für Kinder. Ziel des Festivals ist es, über Musik als universelles Medium den interreligiösen Dialog und Respekt zwischen Menschen aller kulturellen und religiösen Zugehörigkeiten in Köln zu fördern und damit Rechtspopulismus und Hass entgegenzuwirken.
Im Rahmen der gemeinnützigen Initiative »Faiths In Tune« finden seit 2012 jährliche interreligiöse Musikfestivals u.a. in London und Berlin statt.
OGODDOGOTT
Der Hamburger Comedian Jan-Christof Scheibe (Ex-Bühnenpartner von Sissi Perlinger) und Komponist (u.a. für Dominique Horwitz und die Missfits) ist der Stuntman des Glaubens: Er stürzt sich todesmutig in die Abgründe der Weltreligionen. Kein Pilgerpfad ist ihm zu schmal, kein Beichtstuhl zu heiß.
Als Sohn eines Organisten hat Scheibe die Kirche backstage erlebt. Niemand weiß besser als er, wer unter dem Talar steckt und in welcher Supermarktkette der Pfarrer den Messwein kauft. Schon als kleiner Junge fand er einen unwiderlegbaren Gottesbeweis: All seine Playmobil-Figuren gingen kaputt, nur nicht die, mit denen er heimlich im Taufbecken spielte.
Was er nicht weiß: Wozu das Ganze? Gibt es ihn denn nun, den Einen? Und wie ist Er drauf? Wer kennt den Weg zu Ihm:
Yoga-Guru, Tauchlehrer, Google Plus oder »Grüß Gott, Herr Pfarrer«? Sind Atheisten ohne Glauben, oder glauben sie das nur?
Scheibe sucht Gott, sucht Wege aus der religiösen Beziehungs-
krise. Er zweifelt, spottet und betet. In »Ogoddogott« begegnet
Jan-Christof Scheibe Himmel und Hölle, hinterfragt seinen Karma-
punktestand, entlarvt TV-Priester und reinkarniert Humor an
Orten, wo man ihn gar nicht vermutet hätte.
BLIND & LAME
Echt, unkompliziert, natürlich, passioniert. Blind & Lame, das sind Kika und Lucy Wilke, die blinde Mutter und die Tochter im Rollstuhl. Mit dem unverblümten Namen soll das Thema Behinderung gleich abgehakt sein. Dann geht es nur noch um die Musik. Und die ist alles andere als lahm: Es ist vor allem ihre unnachahmliche Coolness, die die Musikerinnen aus der Masse hervorstechen lässt.
Die temperamentvolle Musik von Blind & Lame vereint modernen Gitarren-Pop mit Elementen aus Gipsy-Rumba, Swing und Jazz und entführt das Publikum auf eine Crossover-Reise durch die Welt. Auf der Bühne sorgen Mutter und Tochter mit ihrer temperamentvollen Performance trotz minimaler Besetzung für maximal magische Momente. »Tanzbare Singer- Songwriter-Musik« beschreibt die Musik von Blind & Lame wohl am besten.
MEDO/ANGST
Angst vor dem Anderen ist ein Phänomen unserer Zeit. Sie zu schüren ist das bevorzugte Machtinstrument der neuen
populistischen Rechten, in Deutschland ebenso wie in Brasilien. Neben den alten Eliten und dem Militär gewinnen in Brasilien auch evangelikale Freikirchen zunehmend an Einfluss. Diese liefern das moralische Fundament für eine zunehmend ausgrenzende, diskriminierende und antidemokratische Politik.
MEDO/ANGST ist eine Ergründung von Wegen, wie wir diesen sozialen und politischen Aufladungen begegnen können. Im Sinne einer Selbst- und Fremdbefragung, einer Gegenüberstellung und – wenn man so will – einer Suche nach der verlorenen Freiheit in der Kunst.
MEDO/ANGST begibt sich auf die Suche nach einer gemeinsamen Idee von Identität – unabhängig von Ort, Zeit, Kultur und Religion. Die Arbeit bedient sich dabei der Mittel des Tanzes, der Sprache, der Musik und der Ästhetik des Afropunks und Afrofuturismus.
Eine Produktion von Ben J. Riepe, Baobá Produções Artísticas,
Centro Cultural Plataforma und dem Goethe Institut, in Koproduktion
mit dem Asphalt Festival Düsseldorf und in Zusammenarbeit mit dem
Sommerblut Festival Köln und dem Weltkunstzimmer Düsseldorf.
PRESENT
PRESENT erforscht das Spannungsverhältnis zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, Illusion und Realität, Vergangenheit und der Verantwortung demgegenüber, was dank uns und nicht aufgrund einer höheren Macht, in Zukunft unsere Geschichte sein wird.
Die Gegenwart erscheint als Geschenk vor unseren Augen. Geschenke besitzen aber nur den Wert, den wir bereit sind ihnen zuzugestehen. Wie finden wir diesen Wert in unserem labyrinthischen Verhältnis von Beobachtung, Intellekt und Emotion, in dem nichts eindeutig ist? Auch Glaube hilft da wenig weiter und vermag keine Gewissheit zu schaffen.
Auf der Bühne sehen wir nichts außer drei Menschen und ihre scheiternden Versuche, zu kommunizieren. Babylon lässt grüßen. Sie erkunden auf spielerische und amüsante Weise verschiedene Ansätze des Konzepts Gegenwart/Geschenk, das sowohl täuscht als auch wahr ist.
PRESENT sucht nach neuen, kreativen Ansätzen für Barrierefreiheit, um ein künstlerisches Produkt für alle Menschen gleichberechtigt erlebbar zu machen. Geschriebene, gesprochene und gebärdete Sprache wird in diesem Stück zum durch die Körper verarbeitetem Material.
Die interdisziplinäre mixed-abled Performing Arts Company Un-Label steht für künstlerische Innovation und Vielfalt. Ihr gehören Künstler aus ganz Europa an.
MAD PRIDE
Kaum zu glauben, die Mad Pride-Parade wird fünf Jahre alt. Los gehts am Pfingstmontag, den 10. Juni, um 14 Uhr, am Neptunplatz in Ehrenfeld. Die jecken, schrägen, unantastbaren, buckligen Rollis gehen, schlurfen, laufen, rollen, kriechen und tanzen nach Odonien zum Kulturfinale und der Abschlussparty des Sommerblut-Festivals, um zu zeigen, dass es sie gibt. Mal laut, mal leise, oder flüsternd bis stumm.
Mit Pauken, Transparenten und Trompeten steht die Mad Pride für die Vielfalt der Erdenbürger*innen in Köln. Party statt Pathologie. Diagnosen zu Seifenblasen. Diskriminierung endgelagert. Gemeinsam statt einsam.
Es wird gefeiert: grenzenlos und stolz – jede*r darf sein, ohne Urteil! Alle sind eingeladen, sich solidarisch der Mad Pride-Parade anzuschließen. Verrückte, verhinderte, gehinderte und ausgegrenzte Menschen gehen voller Selbstbewusstsein auf die Straße.
KULTURFINALE
Mit viel Musik und den verschiedensten Künstler*innen feiern wir nach der Mad Pride ab 16 Uhr alle zusammen das Kulturfinale von Sommerblut, dem Festival der Multipolarkultur: Blind & Lame – alias Kika und Lucy Wilke gehen schon in ihrem Bandnamen selbstbewusst mit der eigenen Behinderung um. Ihre Musik ist temperamentvoll, vereint modernen Gitarren-Pop mit Elementen aus Gipsy-Rumba, Swing und Jazz.
Dad’s Phonkey – Christian Padberg macht mit seiner Stimme, was ihm gerade durch die Birne fliegt: Er brabbelt, groovt,
fetzt und schmachtet, irgendwo zwischen Jazz, Weltmusik und Old-School-Funk.
Rainer Schmidt – begibt sich mit seinem Kabarettprogramm auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen eines Lebens mit Hindernissen. Der ohne Hände geborene Künstler und Pfarrer changiert geschickt zwischen Kabarett und Seelsorge, zwischen Comedy und Tragödie.
Köster & Hocker – Zwei Gitarren, eine Stimme: Die melancholischen Frohnaturen Gerd Köster und Frank Hocker spielen neben eigenen Songs auch eingekölschte Cover-Versionen von Ray Davis über Rod Steward, Iggy Popp, Tom Waits bis Frank Zappa.
Mischa Gohlke Band – Kulturmanager. Autor. Dozent. Inklusionsbotschafter. Und Musiker! Der beinahe taube Hamburger Gitarrist hat sein Schicksal einfach ignoriert, seine Kompositionen bilden eine explosive Melange aus Blues-, Funk-, Rock- und Pop-Elementen.
Talk – Das können Sie glauben: Die Bildungsreferentin und Imamin Rabeya Müller im interreligiösen Dialog mit dem Kölner Pfarrer Franz Meurer und dem Engelskirchener Theologen Rainer Schmidt.
Kerstin Pöpper – vom Kölner Verein Inklusion und Kultur moderiert das Kulturfinale.