„Kultur gehört allen“: Oberbürgermeister ehrt Sommerblut im Rathaus
Ein viertel Jahrhundert Einsatz für inklusive Kultur und die Freie Szene: Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums folgte das Team des Sommerblut Kulturfestivals einer besonderen Einladung ins Kölner Rathaus. Oberbürgermeister Torsten Burmester empfing die Festivalleitung gemeinsam mit Wegbegleiter*innen, um das langjährige Engagement des Festivals für Vielfalt und Barrierefreiheit zu würdigen.
Im Rahmen des Empfangs wurde Festivalleiter und Sommerblut-Gründer Rolf Emmerich mit einem Eintrag in das Gästebuch der Stadt Köln geehrt. Neben dem Sommerblut-Team verfolgte eine große Runde diesen Moment. Anwesend waren unter anderem Kulturdezernent Stefan Charles, Oberbürgermeister a. D. Jürgen Roters, der seit 25 Jahren Schirmherr des Festivals ist, Kulturstaatssekretär a. D. Klaus Schäfer, Vorsitzender des Vereins Inklusion und Kultur, sowie Michaela Winkler von der Sommerblut Foundation und Vertreter*innen des Arbeitskreises Barrierefreiheit, die den Weg des Festivals seit vielen Jahren entscheidend mitgestalten.
„Kunst entsteht durch Unterschiede“
Besonders die Worte des Oberbürgermeisters machten deutlich, wie tief Sommerblut im kulturellen Leben der Stadt verankert ist. Torsten Burmester resümierte über die Rolle des Festivals, dass es darum ginge, „Menschen zu verbinden – egal wie sie aussehen, was sie glauben, wen sie lieben und wie und wo sie leben. Kunst entsteht bei Sommerblut nicht trotz der Unterschiede, sondern durch sie“.
Neben dem Rückblick auf 25 Jahre engagierte Kulturarbeit richtete Burmester den Blick auch auf die Zukunft und entließ die Anwesenden mit einem eindringlichen Appell und einer Botschaft, die das Festival auch in Zeiten politischer und finanzieller Herausforderungen für die Freie Szene als Rückenwind mitnimmt:
„Genau deshalb braucht es Orte wie Sommerblut mehr denn je. Orte, an denen Menschen sich begegnen, die sich sonst nie begegnet wären. Orte, die Vielfalt nicht behaupten, sondern spielen, tanzen, leben lassen. Orte, die zeigen: Kultur gehört allen.“
25 Jahre inklusive und diverse Kultur
In seinen Dankesworten machte Rolf Emmerich deutlich, dass die Ehrung für ihn vor allem eine Anerkennung der Arbeit des gesamten Sommerblut-Teams sei. Die Wertschätzung durch die Stadt Köln wisse das Festival sehr zu schätzen. Zugleich verwies er auf die vielen Menschen, die Sommerblut über die Jahre getragen und weiterentwickelt haben: den Vorstand mit Patrizia Kubanek, Mechthild Kreuser und Alexandra Junius, die künstlerische Leiterin Julia Mädrich, das Leitungsteam mit Iris Haist, Hannah Lina Schneeberger und Katharina Würzberg sowie Jonas Bunk, den Arbeitskreis Barrierefreies Festival mit Martin Holst, Raphael Netolitzky, Kerstin Pöpper und Traugott Sobiech, die Sommerblut Foundation mit Michaela Winkler, Praktikant Louis Henckes sowie Regisseur und Klimaaktivist David Schnaegelberger.
Auch dem Kulturamt Köln mit Juana von Stein und Zsolt Kaldy galt sein ausdrücklicher Dank.
Emmerich betonte, Sommerblut stehe seit 25 Jahren für inklusive und diverse Kultur – in Köln und Nordrhein-Westfalen ebenso wie bei Gastspielen in Deutschland und in internationalen europäischen Kulturprojekten. Das Jubiläumsfestival 2026 stand unter dem Thema „Solidarität“. Vom 13. bis 24. Mai präsentierte Sommerblut 27 Produktionen und Gastspiele mit insgesamt 73 Aufführungen an 17 unterschiedlichen Spielorten. Mehr als 6.000 Besucher*innen waren dabei. Ziel des Festivals war es, Solidarität neu zu denken und zu definieren.
Ein zentraler Bestandteil war erneut die Barrierefreiheit: Angeboten wurden unter anderem Gebärdensprachdolmetschung, Audiodeskription, Leichte Sprache, Hörverstärkung und ein taktiles Leitsystem. Auch die Ausstellung zum 25-jährigen Bestehen machte die Entwicklung des Festivals und seiner inklusiven Arbeit sichtbar.
Appell an die Kulturpolitik
Mit Blick auf die kommenden Jahre verband Emmerich seinen Dank mit einem deutlichen kulturpolitischen Appell. Die schwierige Finanzsituation, insbesondere der Kommunen, sei bekannt. Gleichzeitig dürften aus seiner Sicht die Fehler früherer Finanzkrisen nicht wiederholt werden. Sport, Soziales und Kultur seien wesentliche Säulen einer demokratischen Gesellschaft.
Sommerblut sei als reines Projektfestival in besonderem Maße auf öffentliche Mittel und private Stiftungen aus dem gesamten Bundesgebiet angewiesen. Gleichzeitig hätten sich die Förderungen des Festivals zwischen 2022 und 2026 halbiert. Trotz dieser Entwicklung habe Sommerblut zuletzt 52.000 Euro an Zuschüssen in Projekte geben können.
Besonders hob Emmerich die Bedeutung internationaler Kooperationen hervor. Seit 2012 habe Sommerblut über internationale Kulturprojekte der Europäischen Union mehr als 550.000 Euro an Fördermitteln in die Stadt Köln gebracht – unter anderem durch Projekte mit Partner*innen in der EU und der Ukraine. Für die notwendigen Eigenanteile gebe es bislang jedoch keinen eigenen Fördertopf der Stadt Köln.
Seine Bitte an Oberbürgermeister Torsten Burmester und Kulturdezernent Stefan Charles: eine kommunale Förderung internationaler Kulturkooperationen einzuführen. Sommerblut habe auch 2026 wieder zwei internationale Kooperationsprojekte in Brüssel beantragt, darunter ein weiteres Projekt mit der Ukraine sowie ein internationales Gefängnisprojekt. Eine solche Förderung könne nach Emmerichs Einschätzung auch andere junge Künstler*innen und Kulturschaffende ermutigen, europäische Fördermittel zu beantragen.
Zugleich sprach er die angespannte Situation der Freien Szene an. Die hohen Kosten für Oper und Schauspiel, zusätzliche finanzielle Belastungen der Stadt und die Kosten großer Infrastrukturprojekte müssten aus seiner Sicht kritisch betrachtet werden. Er warnte davor, dass finanzielle Fehlentwicklungen in anderen Bereichen am Ende zulasten der Freien Szene, des Sports und der Sozialträger gehen könnten.
Solidarität mit der Ukraine
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen war die langjährige Verbindung Sommerbluts zur Ukraine. Emmerich dankte Burmester ausdrücklich für dessen Besuch in Dnipro und erinnerte daran, dass Sommerblut bereits seit 2020 mit ukrainischen Partner*innen in Kulturprojekten zusammenarbeitet.
Auch beim Festival im Mai 2026 war die Ukraine präsent. Mit Unterstützung der Kölner Städtepartnerschaft konnte eine Performance junger Menschen nach Köln ins Orangerie Theater geholt werden. Eröffnet wurde das Festival mit „UN/ZERBRECHLICH“, einer Produktion mit ukrainischen Einsatzveteran*innen, die heute in Köln leben.
Kunst braucht Freiheit
Auch die zunehmenden politischen Auseinandersetzungen um das Festival sprach Emmerich an. Sommerblut sehe sich seit zwei Jahren mit der AfD konfrontiert. 2025 habe es eine Kleine Anfrage der AfD im Landtag Nordrhein-Westfalen zum Festival gegeben. 2026 sei eine Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem Hinweis auf eine vermeintliche Verletzung der Neutralitätspflicht abgelehnt worden, nachdem im Förderantrag auch Fakten zur AfD benannt worden waren.
Die Haltung des Festivals dazu sei eindeutig: Kunst und Kultur seien durch Artikel 5 des Grundgesetzes grundsätzlich geschützt und frei. Kultur habe in einer Demokratie auch den Auftrag, gesellschaftliche Konflikte sichtbar zu machen, den Finger in die Wunde zu legen und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen – frei, unabhängig und mutig.
Sommerblut wolle deshalb auch künftig für eine offene, liberale, diverse und inklusive Gesellschaft stehen. Ein Abrücken von dieser Haltung, so Emmerich, werde es nicht geben.
Blick auf 2027 und die nächsten 25 Jahre
Für 2027 hat Sommerblut bereits das nächste Festivalthema angekündigt: „Einsamkeit“. Emmerich verband den Ausblick mit der Bitte, das Festival auch künftig politisch, gesellschaftlich und finanziell zu unterstützen. Nach 25 Jahren sei die Anerkennung im Rathaus ein wichtiger Rückenwind; zugleich brauche es langfristige Perspektiven, damit Sommerblut seine Arbeit fortsetzen könne.
Mit einem Augenzwinkern verwies Emmerich auf die Zukunftsperspektive des Festivals: Für die nächsten 25 Jahre wolle man weiterarbeiten, dann sei er schließlich „erst 95“.
Zum Abschluss dankte Rolf Emmerich Oberbürgermeister Torsten Burmester für den Empfang, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Köln sowie Max Rower für die Organisation der Veranstaltung.
Das gesamte Sommerblut-Team bedankt sich herzlich für die große Anerkennung und blickt gestärkt auf die kommenden Festivaljahre.